Was ist "Lernen"

Unter dem Begriff „Lernen“ versteht der Schweizer Entwicklungspsychologe Jean Piaget (1896 – 1980) eine Interpretation des Neuen aus der Perspektive des bereits Bekannten. Er geht davon aus, dass das Subjekt versucht, Unstimmigkeiten zu vermeiden und dazu tendiert, zu Gegenständen und Formen des Gleichgewichts zu gelangen. Lernen wird also dann ausgelöst, wenn es zu einer Störung des Gleichgewichtes zwischen Organismus und Umwelt kommt. Piaget schreibt dazu: „Jedes Verhalten - gleichgültig ob es sich um eine äußere oder eine als Gedanke verinnerlichte Handlung handelt - stellt sich uns als eine Anpassung oder, um genauer zu sein, als eine Wiederanpassung dar. Das Individuum handelt nur, wenn es ein Bedürfnis zum Handeln empfindet, d.h. wenn das Gleichgewicht zwischen dem Organismus und der Umwelt für den Augenblick gestört ist; und die Handlung bezweckt eben die Wiederherstellung des Gleichgewichts, d.h. die Wiederanpassung des Organismus.“ (Piaget 1947, 6)

Literaturnachweis

Piaget, Jean, und Richard Kohler. Das Weltbild des Kindes. Stuttgart: Klett-Cotta, 2015.