Unterrichtsqualität

Die Aufgabe einer österreichischen Schule ist eindeutig im Schulorganisationsgesetz (SchOG) §2 festgelegt:„Die österreichische Schule hat die Aufgabe, an der Entwicklung der Anlage der Jugend nach den sittlichen, religiösen und sozialen Werten des Wahren, Guten und Schönen durch einen ihrer Entwicklungsstufe und ihrem Bildungsweg entsprechenden Unterricht mitzuwirken. Sie hat die Jugend mit dem für das Leben und den künftigen Beruf erforderlichen Wissen und Können auszustatten und zum selbsttätigen Bildungserwerb zu erziehen. Die jungen Menschen sollen zu gesunden, arbeitstüchtigen, pflichttreuen und verantwortungsbewussten Gliedern der Gesellschaft und Bürgern der demokratischen und bundesstaatlichen Republik Österreich herangebildet werden. Sie sollen zu selbständigen Urteil und sozialen Verständnis geführt, dem politischen und weltanschaulichen Denken anderer aufgeschlossen sowie befähigt werden, am Wirtschafts- und Kulturleben Österreichs, Europas und der Welt Anteil zu nehmen und in Freiheits- und Friedensliebe an den gemeinsamen Aufgaben der Menschheit mitzuwirken.“

Es geht in der Schule also nicht in erster Linie um Wissensvermittlung und -überprüfung, sondern darum, die Lernenden in ihren persönlichen Kompetenzen durch das Reflektieren und Integrieren von Zusammenhängen zu stärken.

Schröder definiert Unterricht kurz und bündig als organisierte Interaktion von Lehren und Lernen.“ (Schröder, 2002, S. 75)

 

Helmke präzisiert den Begriff „Unterrichtsqualität“ im Hinblick auf drei Qualitätsdimensionen. Er unterscheidet zwischen Personen-, Prozess- und Ergebnisqualität. Der Begriff Qualität beinhaltet die Frage nach der optimalen Gestaltung des Ablaufs von Unterricht. Die Grundlage für eine Beurteilung der Qualität bilden Erkenntnisse aus der fachdidaktischen Unterrichtsforschung sowie der empirischen Lehr– und Lernforschung. (Pfeifer, 2011, S. 17f)

Die Qualität des Unterrichts ist demnach nicht nur durch die Beschreibung der Person und den Aktionen der Lehrperson in der Klasse mess-, beobacht- und bewertbar, sondern durch die Umsetzung und der Aktivität des Lehrers mit den Lernenden und besonders damit, wie die jeweiligen Lernenden darauf reagieren.

Unter Verwendung von Fachliteratur von Rosenshine 1977 bis Helmke 2007 ergeben sich 14 Merkmale von positiver Unterrichtsgestaltung:

  • Hoher Grad an Beschäftigung der Schüler
  • rasches Beheben von Störungen
  • Eindeutigkeit im Erklären
  • Eindeutige Erwartungen
  • Geduld
  • Lernkontrolle,
  • Situatives Geben von Hilfestellungen
  • Zutreffende, auf relevantes Verhalten und Leistung bezogene Rückmeldungen
  • Übersicht über die gesamte Klasse bei Fixierung auf einzelne Schüler oder Gruppen
  • Individuelle Freiheitsgrade und Wahlmöglichkeiten
  • Fragen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit beantwortet werden können
  • Etablierung und Durchsetzen klarer Verhaltensregeln statt Bemuttern, bedrohen oder anordnen
  • Würdigende, Selbstwert und Motivation fördernde Bemerkungen
  • Initiativen und erkundende Aktivitäten fördern

In Betrieben geht es darum, Kosten zu minimieren und Gewinne zu optimieren. Es gibt daher klare, eindeutige Zielsysteme, auf die sich Mitarbeiter bereits beim Eintritt in einen Betrieb oder in eine Organisation verpflichten. Lässt sich in einem Betrieb ein Mitarbeiter nicht auf die definierte Grundlinie ein, wird er zumeist versetzt oder notfalls entlassen.

Im Schulbereich in Österreich sind diese Mechanismen noch wenig existent. Organisationsentwicklungen verlaufen in Schulbereichen anders, weil es keine wirklichen Sanktionsmöglichkeiten gibt und es teilweise schwierig ist, einen Grundkonsens zu finden, wohin eine Organisation tendieren soll.



 Literaturnachweis
  •  Pfeifer, M. (2011). Bildungsbenachteiligung und das Potenzial von Schule und Unterricht: Lesekompetenz bei sozioökonomisch benachteiligten Schülern. Heidelberg: VS Verlag für Sozialwissenschaften.
  • Qualities of Effective Teachers, James h. Stronge, 2007
  • Der Optimale Unterricht!?: Praxishandbuch Evaluation,  von Franziska Perels,Michaela Schmidt, 2010
  • Schröder, H.: Lernen - Lehren - Unterricht: lernpsyxchologische didaktische Grundlagen (2. Auflage Ausg.). Oldenbourg. 2002