Phänomene der Kooperation im Bildungsbereich

Menschen können nicht „nicht kooperieren“. Jede Reaktion ist eine Form von Kooperation, Widerstand auch. Menschen beeinflussen sich gegenseitig. Sie kooperieren und ändern sich eher und leichter in einem Umfeld, das ihre Fähigkeiten sieht und unterstützt. Es ist hilfreich, aus dem Gelingen der Gegenwart heraus kleine neue Schritte für die Zukunft abzuleiten. Es ist leichter, neues Verhalten zu entwickeln, als alte Muster zu stoppen.

Besucher

sind diejenigen, die keinen Veränderungswunsch oder Lernwunsch äußern. Sie wollen einfach nur wahrgenommen und nicht mit Veränderungs- bzw. Lernangeboten überfallen werden. Schülerinnen und Schüler haben meist, bevor sie in die Schule kommen, kein wirkliches Anliegen, dort etwas Spezielles zu lernen bzw. zu erfahren. Sie gehen dorthin, weil man das so macht und besuchen die dortigen Veranstaltungen. Im Vorfeld werden noch keine Ziele formuliert oder Pläne überlegt – die ersten Begegnungen verlaufen meistens so, dass sich die Lernenden erhoffen, etwas für sie Dringendes zu erleben.

Klagender / Jammerer

haben häufig keine Lern– und Veränderungsmotivation, da aus ihrer Sicht die Umwelt, andere Menschen, die Verhältnisse, die Organisation, die Familie, die eigenen Eltern usw. für ihr Problem verantwortlich sind.

Häufig klagen Schülerinnen und Schüler aber auch Lehrpersonen über ganz konkrete Probleme. Es gelingt ihnen nicht, eine Beziehung zwischen ihrer Person und der beklagenswerten Situation herzustellen, und manchmal wollen sie es auch nicht. Das Problem haben andere ihnen gemacht. Sie selbst fühlen sich ganz und gar ohnmächtig (vgl. Bamberger 2001, S. 73f). Wenn die anderen ihre Schuld eingestehen und sich ändern würden, dann wäre alles gut. Gunther Schmidt spricht hier von der „Kunst der Fernheilung“, die eine Schulentwicklung bzw. die Schulleitung haben müsste, um bei einer solchen Haltung weiterzuhelfen.

Für die Entwicklungsarbeit ist daher wichtig, mit dieser Kooperationsgruppe realisierbare Ziele zu erarbeiten und mögliche nächste Schritte zu vereinbaren. Der Schlüssel für diese Verflüssigungsarbeit liegt oft in der Frage nach dem „Anstelle von“.

Geschickte / Gesandte

sind diejenigen, die kommen müssen ((vgl. Bamberger 2001, S. 71f).

Co-Experten / Supervisoren

wissen, wie man alles richtig machen müsste. Der Supervisor gibt sich in diesem Fall als Experte dafür, mit allen Erklärungen, warum es so nicht gehen kann (vgl. Polt / Rimser 2006, S 42f). In der Kooperation mit solchen Haltungen, die besonders im Lehrberuf sehr häufig auftreten, da sie in ihrer Profession sehr häufig diese Rolle einnehmen müssen, ist es entscheidend, sich empathisch auf diese Sichtweise einzulassen und auch diese durch gezielte Fragen in Richtung einer gelingende Zukunft zu verflüssigen.

Kunden

sind in der Regel selbstbewusst, eigenverantwortlich, sozial kompetent und zielorientiert. Der Kunde weiß, was er will. Bei dieser Kooperationsform ist wichtig, bei den Begegnungen und Gesprächen nicht nur zu bedienen, sondern aktiv zu aktivieren, zu ermutigen und in Richtung Selbstbedienung und zur Nutzung der eigenen Kompetenzen Ressourcen einzuladen. (vgl. Bamberger 2001, S. 73).